Luna

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Ich sitze hier an meinem Schreibtisch und schaue auf das Bild meiner Rottweilerhündin Luna auch Lunchen oder Luni, Mausezahn oder Schnecke genannt. Das Bild zeigt sie wie sie am Nordseestrand grinsend in den Wellen läuft. Ein Bild aus glücklichen Tagen als die Sonne noch schien. Luna und ich nahmen am 23.07.07 um 21.15 Uhr Abschied voneinander. Genau so wie wir die letzten 11 1/2 Jahre verbrachten, Seite an Seite.

Sie hatte im letzten Jahr erhebliche gesundheitliche Probleme. Zuerst fing alles mit einer Arthrose an. Dann begann ihre Schilddrüse nicht mehr richtig zu funktionieren, die Nieren kompensierten den Urin nicht mehr. Aber das bekamen wir alles mit Hilfe von Medikamenten in den Griff. Im Mai bemerkte ich, dass sie auf dem rechten Hinterbein anfing zu lahmen. Die Diagnose war niederschmetternd : Cauda-Equina-Syndrom. Das ist eine Wirbelsäulenerkrankung ähnlich einem Bandscheibenvorfall des Menschen. Die Folge sind Lähmungserscheinungen und unwahrscheinliche Schmerzen. Wir fuhren zur Behandlung in eine sehr gute Klinik an der Österreichischen Grenze. Neue Medikamente, operieren kam nach langer, ausführlicher Diagnose nicht in Frage, da Luna´s Gesundheitszustand dies nicht möglich machte. Die Tierärzte waren sich einige, dass sie vermutlich aus dieser Vollnarkose nicht mehr aufwachen würde. 3 Wochen später schwoll plötzlich ihr Bein auf die 5-fache Dicke an. Die Diagnose war vernichtend: Lymphdrüsentumor.

Trotz alle dem war mein Lunchen immer noch fröhlich und begleitete mich und Grace wenn es möglich war zu meinem Unterricht und im Alltag.

Wenn ich in ihre Augen sah, wurde mir klar dass sie Bescheid wusste: Diesen Kampf können wir nicht mehr gewinnen.

Also schlossen wir ein Abkommen: Ich würde für sie da sein und sie würde mir zeigen wenn es an der Zeit war Abschied zu nehmen.

Am 23.07.07 beim morgentlichen Gassigehen kippten ihr nach 2 Schritten die Hinterläufe weg. Das war schon öfter passiert. Aber an diesem Morgen schaute sie hoch, blickte mich an und ich sah das vor dem ich mich am meisten gefürchetet hatte : Es war Zeit.

Sie wollte und konnte nicht mehr.

Den letzten Freundschaftsbeweis den ich ihr geben konnte war sie von ihren Schmerzen zu befreien und gehen zu lassen. An einen anderen Ort an dem sie wieder mit anderen Hunden laufen und toben kann.

Während sie friedlich in meinen Armen einschlief erinnerte ich mich zurück zum Anfang als ich sie mit 7 1/2 Kilogramm vom Züchter holte – ein Speckbäuchchen mit langen Schlappohren und rehbraunen Kulleraugen.

Wir hatten im Laufe unserer gemeinsamen Zeit eine Menge Spaß, sie wurde zum Mittelpunkt meines Lebens. Wenn etwas schief lief war das halb so wild, ich hatte ja meinen Fels in der Brandung. Sie war genau so wie man sich Rottis vorstellt, ruhig, gelassen, überlegt, fröhlich und ein Kumpel mit dem man durch Dick und Dünn gehen kann. Wenn ich mal wieder Bockmist baute, sagte sie mir das offen, ehrlich und direkt.

Durch sie kam auf die Idee, Hunde auszubilden. Sie war der beste Lehrmeister den man sich vorstellen kann. Ich habe ihr so viel zu verdanken und das sagte ich ihr auch zum Abschied. Ich bedankte mich für die wunderschönen Jahre und gab ihr ein Stück meines Herzens und all meine Liebe mit auf den Weg.

Eine Freundin schrieb mir :

….als der Regenbogen verblasste, da kam der Albatross und er trug mich mit sanften Schwingen weit über die Sieben Weltmeere….. behutsam setzte er mich an den Rand des Lichts ….. ich trat hinein und fühlte mich geborgen….. ich habe euch nicht verlassen, ich bin euch nur ein Stück voraus…..

Eine schöne Vorstellung die Trost spendet an Tagen, an denen ich den Regenbogen hinter den Tränen nicht sehen kann.

Luna wird immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen einnehmen und nachdem der Schmerz über ihren Verlust sich langsam abschwächt stiehlt sich immer öfter ein Lächeln auf mein Gesicht wenn ich mich an sie erinnere. In diesen Erinnerungen kann ich sie immer besuchen und ich bin stolz und dankbar eine so tolle Freundin viele Jahre an meiner Seite gehabt zu haben.